Dive Station Hemmoor GmbH

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Ausflug in die Schiefergrube "Christine"

Ein Reisebericht von Rafael Grillitsch, Dirk Rößner und Jürgen Decker

 

Diverse Gerüchte kursieren schon seit längerer Zeit im Internet und auch am Kreidesee hörte man: "Da gibt es bald was Neues zum Betauchen…"!  "…da kommt was Interessantes…"! "Ohhh ich bin schon so gespannt,…". Genaueres wusste man aber nicht.

 

Dann, vor ein paar Wochen kamen die Infos im Netz "offiziell" heraus: "Ehemalige Schiefergrube im Sauerland zum Tauchen freigegeben! Erstklassige Sichtweiten, moderate Tiefen und auch für nicht Höhlen - zertifizierte Taucher zu besichtigen."

 

Oliver Hecht

Da ich ohnehin schon länger mit dem Gedanken gespielt habe, mich (tauchenderweise) in einen  Berg zu begeben, habe ich mit Dirk Rößner darüber gesprochen. Nach kurzem Überlegen holten wir uns nähere Infos von Oliver Hecht – das ist der Mann, der das Tauchen in der Grube anbietet. Nach ein paar Telefonaten war alles klar und wir hatten einen Termin zum Höhlentauchen.

 

Zu beachten: Hr. Hecht hält nicht viel von E-Mails und Computern, darum ist er "nur" telefonisch erreichbar.

 

Wir wollten dem Stollensystem auf zweierlei Arten auf die Pelle rücken:

 

Dirk Rößner mit seiner Chiliröhre, dem Habanero oder dem z. Zt. schärfsten PSCR am Markt, und ich mit meinem D18 und einer 80 cuft Stage. Da ich kein Cave-Brevet habe, würde mein Tauchgang mit Oliver Hecht als Guide durchgeführt werden. Dirk Rößner konnte Jürgen "jogi" Decker, einen weiteren Habanero-Piloten, und Anja von Heynitz mit ihrem HMR-Kreisel für diesen Tag begeistern. Leider hat Anja von Heynitz noch auf dem Weg dahin abgesagt, so dass die beiden Chililiebhaber selbstständig losziehen würden.

 

Aufgrund der durchschnittlichen Tiefe von -25 m bietet sich ein Nitrox 32 bis 40 als Atemgas an. Es gibt aber auch Bereiche im Stollen, die bis -45 m (und tiefer) abfallen, für die Trimix verwendet wird.

 

Guten Morgen

Nachdem wir Willingen auf der Landkarte gefunden hatten, stellte sich heraus das wir an die 3 1/2 Stunden Anreise von Hamburg vor uns hatten. Dies bedeutete für uns eine recht sportliche Tagwache gegen 04:00. Diesmal haben wir das gelbe Tauchmobil von Dirk Rößner gegen mein Schwarzes getauscht.

 

Unser Gerödel haben wir schon weitgehend am Vortag zusammengestellt. Mit dabei wieder eine AMPS 910, eine Tanklampe von MOD, die sich wie immer sehr gut bewähren sollte.

 

Die Anfahrt von Hamburg nach Marsberg ging, bis auf die üblichen Montagmorgen-Staus, relativ gut und so kamen wir um 09:30 Uhr bei Oliver an.

 

Besucherbergwerk

Auch Jürgen "jogi" Decker war schon da und nach kurzer Begrüßung fuhren wir von Marsberg in das ca. 15 km entfernte Willingen. Mitten im Ort gibt es ein Schild mit der Aufschrift: "Bergwerk". Diesem folgten wir und nach wenigen Metern waren wir an dem Besuchsbergwerk angekommen. Für Untertageinteressierte gibt es ein Informationsgebäude (mit Toiletten) und es werden auch Führungen im trockenen Teil angeboten.

 

Ich muss sagen, von außen war es nicht sehr spektakulär. Aber das sollte sich noch ändern…

 

Bevor wir unsere Ausrüstung zusammenstellten, gab uns Oliver Hecht ein ausführliches Briefing über das, was uns in diesem System erwarten wird.

 

Zugang zum Einstieg

Das Bergwerk wurde in den 70er Jahren stillgelegt und besteht aus verschiedenen Abbauebenen (Sohlen), von denen noch nicht alle erkundet sind.

 

Und obwohl bereits an die 700 m Leine verlegt wurden, kann man immer noch vieles "exploren". Echtes taucherisches Neuland!

 

Die erste Sohle liegt auf ca. -25 m, die nächste dann bei -45 m. Die weiter unten liegenden wurden noch nicht (bis auf ein paar Stippvisiten) richtig erforscht.

 

Durch eine Stahltür geht es in den Berg, in einen beleuchteten Raum mit 2 Anrödeltischen. Der Einstieg in das geflutete System wird über den so genannten "Bremsberg" erfolgen, der von Übertage in einem 30° Winkel auf eine Tiefe von ca. -24 m führt. Dann zweigen dort zwei Strecken ab. Eine nach rechts, eine nach links. Diese beiden Gänge sind mit einer Hauptleine versehen.

 

Anrödeltisch

Die Cave-zertifizierten Kreisel-Jungs konnten, wie schon oben erwähnt, alleine losziehen. Mein Briefing mit Oliver Hecht war etwas ausführlicher - ich würde vorne weg tauchen, damit er mich gut im Auge hat, weiteres immer anzeigen, wenn ich in einen Seitenarm schwimmen will, stoppen, schauen, genießen, etc... Dann war es endlich soweit: Ausrüstung zusammenbauen und los ging`s! Zuerst wurden die Sauerstoffflaschen an der Hauptleine angeklickt und ins Wasser gelassen. Es ist von Vorteil, 7 Liter Stahlflaschen zu benutzen, die rutschen dann von ganz alleine auf -6 Meter ab!

 

Oliver Hecht und ich waren das erste Team, daß ins Wasser gelassen wurde. Im Einstiegsbereich angekommen, machten wir einen Saftey Check und dann steckte ich zum ersten Mal meinen Kopf in eine "Höhle".

 

Wie im Briefing erwähnt, war die Sicht am Bremsberg quasi Null und man musste sich somit vorsichtig nach unten tasten. Bei einer Tiefe von ca. -15m bis -18 m riss dieser Nebel dann plötzlich auf, und man hatte Sichtweiten von 15 m +. Ich deponierte meine  Stage am Ende des Bremsberges, checkte nochmals mein Gerödel, dann ein kurzes OK nach hinten zu Oliver Hecht und los ging`s:

 

Wir tauchten den Hauptgang nach rechts, entlang der Führungsleine; überall sah man Relikte vom Schieferabbau  (Reste von Geräten, Stiefel, Schnapsflaschen, etc.).

 

Hauptstollen

Es war sehr beeindruckend zu sehen, unter welchen Bedingungen die Bergleute seinerzeit Arbeiten mussten. Der Hauptstollen ist sehr geräumig, zwei Taucher können ohne Probleme nebeneinander schwimmen. Die Höhe der Strecke schwankt zwischen 3 m und 5 m. Entlang des Haustollen trifft man immer wieder auf "Sackgassen", die links und rechts abzweigen und wo man seinen Kopf reinstecken kann.

 

Lore

Sehr interessant sind auch aus Schieferstücken gefertigte Treppen, die immer wieder mal sehr steil nach oben führen. Aufgrund ihrer Enge aber nur was für No-Mount sind. Wir sind weiter entlang des Tunnels getaucht, der sich immer weiter in den Berg windet. An einer Stelle machte der Weg an einem grösseren Raum einen 90° Knick. Auch hier steckte ich meine Nase in die hintersten Winkel, bzw. versuchte mit der Lampe alles auszuleuchten. Am Ende der Leine, so nach 150 m, stieg der Stollen wieder sehr steil an. Der führt zu einem Notausstieg, den Oliver Hecht beim Briefing erwähnte. Das Problem bei diesem Ausstieg ist jedoch, dass der Taucher seine komplette Ausrüstung ablegen, noch ca. 8 m aufsteigen und sich anschließend durch eine Luke nach draußen zwängen muss.

 

Am Ende der Leine signalisierte ich Oliver Hecht, dass wir umdrehen können und so tauchten wir wieder Richtung Bremsberg. Auch auf dem Rückweg gab es immer wieder interessante Stellen, die wir mit der Lampe erforschen konnten. (Im Anschluss an den Tauchgang sagte mir Oliver Hecht dass wir so ein paar viel versprechende neue Stellen gefunden haben, die er weiter erkunden wird).

 

  • Schiefer

Als wir nach ca. 40 min wieder am Bremsberg ankamen, machten sich die tiefen  Wassertemperatur (konstante 8°) bereits bemerkbar. Da ich aber noch mehr als genug Gas in meinem Rückengerät hatte (der Tauchgang war nach der Drittelregel geplant), tauchten wir nicht über den Bremsberg aus, sondern folgten dem zweiten Gang.

 

Hier Lampen aufhängen

Dieser Gang führt an einigen Räumen  (ehemaliges Sprengstofflager, Toiletten, etc.), und über eine weitere Abzweigung zu einer Rampe, die, wie der Bremsberg, in einem steilen Winkel auf die tiefere Sohle (~ 45 m) abfällt. Ich schwamm nur über die Kante und grinste in die Tiefe.

 

Nach diesem kurzen Blick machten wir kehrt und flösselten langsam zum Bremsberg zurück. In diesem Bereich musste man auf herabhängende Kabel achten! Wie auch im gesamten System findet man überall feines Sediment, welches sich bei falschen Flossenschlägen sehr schnell aufwirbelt. Am Bremsberg angekommen, nahm ich meine Stage wieder auf und sah dass die Backup-Stages von Dirk und Yogi noch an der Leine hingen:  Aha, die kreiselten also noch!

 

Die beiden wollten über den Gang aus dem wir gerade kamen, über einen Jump in einen weiteren Gang tauchen.

 

Hier nun die Tauchgangsbeschreibung von Jogi und Dirk:
Wir tauchten also ebenso den Bremsberg hinab, bis zur ersten Sohle. Auf dem Weg dahin steht ein Lorengestell im Weg und ein bisschen Gerümpel, an dem man  tastender Weise entlangtauchen musste. Die Permanente Mainline liegt links. Am Fuß des Bremsberges angekommen (-24 m, Sicht ca. 10 m) kann man den Gleisen folgen (also geradeaus weiter, hier visual Jump nach rechts, Mainline geht links um die Ecke - mehr dazu später). Wir tauchen also  "geradeaus" den Gleisen und der Mainline folgend, vorbei an jeder Menge Gerümpel, Rohre, Draht, Hüte, Flaschen, Gummistiefel, Schilder ... wirklich nett. Unregelmäßige Abbauten links & rechts, künstlich aufgestellte Schieferwände, einfache Gesteinsausbrüche.

 

Nach 10 bis 15 min lockeren Flossenschwimmens steigt die Mainline an, über ein Geröllfeld in eine große Halle (ca. 5 m hoch und 10-15 m breit) und endet auf -15 m. Hier haben wir unser eigenes Reel angesetzt und sind die Halle weiter hoch getaucht. Beim Tarieren kommt, durch die aufsteigenden Gasblasen von oben, manchmal leichter Nebel oder kleines Sediment bis hin zu 2 mm großen Schieferstückchen herunter. Wir haben das ausströmende Gas ja nun schon sehr stark beschränkt, jedoch lässt sich das eben nicht ganz verhindern. Dort oben also, auf ca. -5 m haben wir uns  den (funktionierenden) Notausstieg angesehen.

 

Raus kommt man da allerdings nur OHNE Gerät und wenn man schlank ist – wir, vor allem Jogi, hätten also wenig Chancen :-) Im Notausstieg steht noch eine alte, verrostete Eisenleiter.

 

Wir haben unser Reel  langsam wieder aufgewickelt und sind zurück zum Ende des Bremsberges. Dann den anderen Gang (von oben kommend scharf links abknickend) entlang.

 

Nach knappen 5 Minuten ein clipbarer Permanentjump nach rechts, den wir anclippen und folgen ...Vom Gang gehen rechts hoch viele Treppenaufgänge (50-60 cm breit) die alle oben in irgendwelchen großen Hallen enden. Für uns leider zu schmal, da an unseren Kreiseln die Flaschen links & rechts montiert sind. Die Mainline läuft dann über ein Loch im Boden (Achtung! Permanentes T vorhanden) wo es dann zur zweiten Sohle geht. Wir haben nur mal reingeleuchtet ... das sind sicherlich die  -40 m. Langsam wird es auch kalt und wir machen uns auf den Rückweg ... knapp 90 min in 8° sind wirklich kalt. Vor allem wenn man, wie Jogi mit 3 mm Handschuhen taucht!

 

Dann am Bremsberg wieder angekommen, nehmen wir unsere Stageflaschen auf und beginnen mit dem Aufstieg. Bis ca. -15 bis -12 m war die Sicht noch gut. Dann im "oberen Bremsberg" welches der Einstiegsbereich ist, nahezu null ... wenn wir nicht gewusst hätten dass unsere O2-Flaschen auf 6m liegen ..., ablesen auf dem Computer hätten wir es nicht können. Noch ein paar Minuten auf Sauerstoff und unser Tauchgang war beendet. Verbraucht haben wir pro Kreisel ca. 35 Bar Nitrox 40, ca. 70 Bar Nitrox 50,  knapp 25 Bar Sauerstoff, etwas Kalk und ein paar Liter Argon.

 

Rafael tauchte den Berg hoch und machte entsprechende Deko-Stopps. Ab ca. 15 m war die Sicht wieder bei Null und man konnte sich nur vorantasten. Nach ca. 70 min steckte auch er seinen Kopf wieder aus dem Wasser. Was für ein cooler Tauchgang!!

 

Dirk Zufrieden

Nach ein paar Minuten kam auch Oliver raus; wir schleppten uns wieder Richtung Ausgang, verstauten unser Equipment und warteten auf die Anderen.

 

Als dann alle wieder im Freien waren, waren wir uns einig:

 

Da gibt es noch vieles zu sehen und wir kommen wieder!! Und unser Rafael wird wohl bald einen Cave-Kurs buchen :o)

 

Alle Informationen über das Tauchen in der Schiefergrube gibt es direkt bei Oliver:

Oliver Hecht
Tel.: 02991-98 08 87
Briloner Straße 28
34431 Marsberg/Helminghausen

Alle Unterwasserphotos mit freundlicher Genehmigung von Uwe, www.obertek.de

 

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